Religionsunterricht einmal anders – Besuch in der Christ-König-Kirche
Am 22.09.2026 verließ unser Q2 Religionskurs für eine Unterrichtsstunde das Klassenzimmer und machte sich mit Herrn Gawlick auf den Weg zur Christ-König-Kirche in Bochum. Dort besuchten wir die Ausstellung der “Manifesta 16 Ruhr”, die sich mit der Frage beschäftigt, wie ehemalige Kirchen heute genutzt werden können.
Schon beim ersten Betreten der Kirche war unser Eindruck eher ungewöhnlich. Die Ausstellung wirkte auf uns zunächst düster, bedrückend und teilweise sogar depressiv. Das lag nicht nur an der Atmosphäre des alten Kirchengebäudes, sondern auch an den Kunstwerken selbst. Viele von ihnen wirkten auf den ersten Blick leer, fremd oder schwer verständlich. Teilweise hatten sie etwas Unheimliches an sich und vermittelten eher Gefühle von Einsamkeit, Verlust oder Nachdenklichkeit als von Freude und Leichtigkeit.
Besonders auffällig war dabei der Gegensatz zwischen Kunstwerken und dem ursprünglichen Charakter des Kirchenraums. Ein Ort, den man normalerweise mit Gemeinschaft, Hoffnung, Glauben und Geborgenheit verbindet, wirkte durch die Ausstellung teilweise kalt und verlassen. Dadurch bekamen die Werke für uns eine zusätzliche Wirkung. Die große, stille Kirche verstärkte die Gefühle, die von den Kunstwerken ausgingen und ließ manche von ihnen noch bedrückender erscheinen.
Gleichzeitig merkten wir beim genaueren Hinsehen, dass die Werke nicht einfach nur „traurig“ wirken sollten. Gerade ihre zunächst fremde und teilweise unangenehme Wirkung brachte uns dazu, länger über sie nachzudenken. Wir mussten uns fragen, warum ein bestimmtes Werk auf uns so wirkt und welche Bedeutung wir selbst darin erkennen. Was anfangs nur düster oder merkwürdig erschien, wurde dadurch interessanter und regte zum Austausch an.
Ein eindrucksvolles Beispiel ist das Kunstwerk „The Distance Between Me and Everything Else“ von Mehtap Baydu.Dabei handelt es sich um eine menschenähnliche, leere Hülle aus Silikon, die in einem Beichtstuhl hängt. Gerade der Ort machte das Kunstwerk für uns besonders interessant. Ein Beichtstuhl ist eigentlich ein Ort, an dem Menschen ihre Gedanken, Schuld und persönlichen Gefühle mit jemandem teilen. Die leere Hülle schien dagegen für einen Menschen zu stehen, der zwar körperlich anwesend, aber gleichzeitig nicht richtig da ist. Dadurch entstand ein Gefühl von Leere und Abwesenheit, das gut zu dem ersten Eindruck der Ausstellung passt. Gleichzeitig regte das Werk dazu an, darüber nachzudenken, was einen Menschen eigentlich ausmacht und was von ihm bleibt, wenn seine persönliche Identität fehlt.
Der Besuch in der Kirche hat uns gezeigt, dass Religionsunterricht nicht immer im Klassenzimmer stattfinden muss. Durch die Ausstellung konnten wir Kirche, Kunst und gesellschaftliche Veränderung einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Außerdem konnten wir uns so mit der Frage auseinandersetzen, was mit Kirchen passiert, wenn sie nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck genutzt werden und ob sie auch auf andere Weise Orte der Begegnung bleiben können.
Kategorie
Veröffentlicht
September 25, 2026
Autorin
Mia Z.
Teile diesen Beitrag gerne.
Rückblick in die letzten Veranstaltungen

Zwei besondere Projekte geben Einblicke in kreative Prozesse, selbstständiges Arbeiten und die Vielfalt der Begabtenförderung an der Goethe‑Schule.
Im Rahmen von Kultur und Schule konnte die Foto-Kunst-AG „Licht und Pixel“ ein Schuljahr lang eine Ausstellung im Goethe-Forum vorbereiten.

Spielfreudiger Literaturkurs mit modernem Theaterabend zum Schuljubiläum: Ein Rückblick auf die Aufführung am 07.06.2026